Von Sklavenburgen, Bettmilben und Naturwundern – Weihnachtsferien ´12/´13

Hallo zusammen,

 

nachdem ich jetzt schon längere Zeit nichts mehr von mir habe hören lassen, dachte ich mir, dass es mal wieder höchste Zeit für einen Funk aus dem Busch ist. Zuerst wünsche ich euch allen aber noch nachträglich ein frohes neues Jahr 2013! Hoffentlich habt ihr schon rein gefeiert und eure guten Vorsätze bisher auch brav und konsequent eingehalten…! 😉

 

Wie ich in meinem letzten Blogeintrag schon erwähnt hatte, haben wir uns über die Weihnachtsferien die Rucksäcke aufgeschnallt und sind als Backpacker durch´s Land gereist. Los ging die Reise in Elmina, einem Fischerdorf an der Küste, das berühmt für seine Sklavenburg ist. Wie es sich für einen echten Touristen gehört, haben wir uns natürlich einer Führung angeschlossen, ebenso wie einige andere „Obrunis“. Allgemein muss ich sagen, dass ich in Ghana noch nie so viele Weiße auf einem Haufen gesehen habe wie in den Küstenstädten (außer in der Shoppingmall in Accra vielleicht). Es birgt jedoch durchaus eine gewissen Ironie, dass während der Weiße mit der fetten Nikon-Kamera Urlaubsbilder von der Liebsten neben einer alten Kanone schießt, der ghanaische Guide von eingepferchten und gebrandmarkten Afrikanern erzählt. Obwohl vor allem die Besichtigung der alten Verliese ein beklemmendes Gefühl hinterlässt, würde trotzdem jedem, dem sich die Möglichkeit bietet, empfehlen, sich einmal so eine Burg anzusehen. Übernachtet haben wir in Elmina übrigens im „Stumble Inn“, einer kleinen Lodge am Strand etwas außerhalb gelegen. Hier stand ich das erste (aber noch lang nicht das letzte) Mal am privaten Strand und konnte es nicht so recht begreifen, dass ich hier tatsächlich in Ghana und nicht in der Karibik bin. Abgesehen von der wunderschönen Anlage gibt es hier übrigens auch richtig aufgebrühten Kaffee zu trinken, nicht diese Nescafé-Geschichte. Bringt natürlich noch ein paar Pluspunkte mehr. 🙂

Nächste Station der Reise war Cape Coast, Ghanas Bildungshochburg und nur wenige Kilometer von Elmina entfernt an der Küste gelegen. Bildungshochburg deswegen, da es dort mit Abstand die meisten und besten Universitäten und Colleges in ganz Ghana gibt. Auch Cape Coast hat eine Sklavenburg, die wir uns selbstverständlich auch angeschaut haben. Wer jetzt denkt, dass ich hier in Ghana zum Kulturfreak geworden bin und nur noch durch alte Burgen stapfe, der irrt sich allerdings ein klein wenig. Dank unserer Unterkunft (Oasis Beach Resort) haben wir am 21. Dezember eine kleine Vor- Vor- Weihnachtsparty gefeiert. 😉

Ab dem 23. Dezember haben wir uns dann aber erst einmal wieder „zu Ruhe“ gesetzt und uns für 10 Tage in der Green Turtle Lodge in „the middle of nowhere“ eingemietet. Ich untertreibe an dieser Stelle in keinster Weise, wer möchte, kann bei Google Earth ja einmal „Akwidaa“ eingeben und nachschauen, wo sich das genau befindet. An dieser Stelle möchte ich mich auch dafür entschuldigen, dass ich in diesem Jahr weder Weihnachts- noch Neujahrsgrüße per SMS versandt habe. Handynetz gab es nämlich auch nur an bestimmten Stellen und da es mir dann doch zu zeitaufwändig war, mit in den Himmel gestrecktem Handy 3 Stunden in der Mitte des Parkplatzes zu verharren, habe ich mich mit Nachrichten auf meine Familie beschränkt. Trotz des mangelhaften Kontakts zur deutschen Außenwelt und trotz der Tatsache, dass meine Matratze von Bettmilben befallen war und meine Beine über Nacht in zwei rote, aufgeschwollene und unvorstellbar juckende Bisse verwandelt haben und trotz des (meiner Meinung nach) an manchen Stellen übertriebenen Ökogehandabes („self-composting toilets“), hatten wir dort einen wunderschönen Strandurlaub! Heilig Abend haben wir unsere eigene, kleine Bescherung veranstaltet (und obwohl Meeresrauschen und Sand in den Ohren nicht gerade fördernd für die Weihnachtsstimmung sind, habe ich zumindest ein bisschen „Weihnachten“ gefühlt) und an Silvester eine große, sehr sehr lustige Strandparty gefeiert. Ich muss zugeben, dass ich selten so eine tolle Party erlebt habe! Der Abschied am 2. Januar fiel dementsprechend auch nicht gerade leicht, denn obwohl ich nicht erwartet hätte, dass man innerhalb von 10 Tagen so viele unglaublich nette Leute kennenlernen kann, sind uns doch ein paar wirklich ans Herz gewachsen und werden beim Verfassen dieses Blogeintrags auch wieder vermisst.

Nach den Schildkröten (wir haben im Übrigen leider keine gesehen) hat es uns zuerst für 2 Tage nach Accra (so viel Zivilisation war man nach 10 Tagen Outback gar nicht mehr gewöhnt) und dann hoch in die Volta Region verschlagen. Von der Stadt Ho ausgehend sind wir durch das Kalakpa-Schutzgebiet gestapft (der Guide war am Ende fertiger als wir: “Yeah men, you wanna kill me?“) und die Kentestoffe von Kpetoe angesehen (wie man das korrekt ausspricht, weiß ich leider nicht). Danach ging es weiter nach Hohoe zu den berühmten Wli-Wässerfällen, die nur zu Fuß durch den Regenwald zu erreichen sind. Wer jetzt allerdings dichten Dschungel erwartet, der irrt, es gibt einen sehr guten Weg und man überquert dabei teilweise ganz romantische angelegte 7 Brücken. Diese Wasserfälle gehören auch zu dem beeindruckendsten, was ich an Natur jemals gesehen habe. Wir saßen einige Zeit einfach nur da und haben über dieses perfekte Stückchen Welt gestaunt. Am Tag zuvor haben wir uns allerdings noch durch die ghanaischen Berge zu der Kalksteinhöhle des Bergdorfes Logba Tota geschlagen. Der ein oder andere hat dabei die vorangegangenen 10 Tage faulenzen am Strand doch stellenweise bemerkt…

Das Ende unserer Reise fiel für mich dann leider nicht ganz so positiv aus, ich hatte mir wohl irgendwo eine Stechmücke mit Malariaerreger angelacht und musste daher früher nach Kumasi zurückkehren. Zum Glück bekam ich Unterstützung von meinen Mädels, sonst wäre ich wohl vollständig verzweifelt. Im Nachhinein betrachtet ist Malaria (zumindest die Variante, die ich hatte) nicht schlimmer als eine anständige Grippe und ist, wenn sie rechtzeitig bemerkt und mit Tabletten behandelt, auch recht ungefährlich. Allerdings wünscht man sich bei über 39 Grad Fieber und Krämpfen vom Frieren in den Händen dann schon ein ganz kleines bisschen, zu sterben. Auch wenn das natürlich völlig übertrieben ist, aber da ich die letzten Jahre nie Fieber hatte, war das durchaus eine größere Sache für mich. Aber nach 4 Tagen mit täglich 8 Antibiotika und 2 Schmerztabletten war dann auch diese Phase ausgestanden und ich um eine Erfahrung (und dem Malariaerreger) reicher.

 

Gut, ich denke, dass sollte für´s erste wieder genug Lesestoff sein. Jetzt sind es ja auch nur noch 7 Wochen, bis ich wieder deutschen Boden unter meinen Füßen habe, Endspurt ist also langsam angesagt. Ich hoffe, euch allen geht es gut und ihr versinkt nicht zu sehr im Schnee. Hier herrscht gerade der Harmattan, eine Art Staubsturm, der hier alles im Staubnebel versinken lässt. Zusammen mit der Hitze auch nicht immer so angenehm… Wie dem euch sei, ich freue mich langsam wirklich wieder auf zu Hause und auf das kalte, deutsche Wetter. 🙂

 

Liebste Grüße aus Ghana,

Lisa  Bild

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