Fröhliche Weihnacht überall, tönet aus den Büschen froher Schall…

Hallo ihr Lieben,

 

nach über einem Monat Funkstille lasse ich mal wieder etwas neues von mir aus dem Busch hören.

 

Vergangenen Sonntag hatte ich Halbzeit, unglaublich, wie schnell doch die Zeit vergeht (das erwähne ich aber in jedem Blogeintrag, wenn ich mich recht entsinne)! Ich kann es selbst noch gar nicht richtig fassen, dass ich in 3 Monaten wieder in Deutschland sein und das alles hier hinter mir lassen werde. Ich habe mich vollständig eingelebt und eingerichtet und bezeichne unser kleines Zimmerchen mittlerweile ganz selbstverständlich als mein „zu Hause“. Auch sind mir „meine Mädels“ richtig ans Herz gewachsen, was mich selbst, um ehrlich zu sein, ein wenig überrascht. Ich würde es durchaus als gewagt bezeichnen, 3 pubertierende und eine Erwachsene in zwei kleine Räumchen zu stecken und darauf zu vertrauen, dass sie sich nicht an die Gurgel gehen. Zumal sie sich davor erst ein Mal gesehen hatten. Aber wir sind tatsächlich zu einer kleinen „Familie“ zusammen gewachsen, die gute und schlechte Zeiten durchsteht und auf die man sich in jeder Lebenslage verlassen kann (jaaa ich weiß, dass hört sich unglaublich kitschig an!). Ich für meinen Teil glaube, dass es wieder in Deutschland wirklich komisch sein wird, morgens aufzuwachen und in 3 top fitte, freudestrahlende Gesichter zu schauen. 😉 Um es auf den Punkt zu bringen, ich hab sie aller wirklich sehr sehr lieb und werde sie vermissen. Jetzt aber genug der Liebeserklärungen, sonst wird es zu schmalzig.

 

Neuigkeiten von der Arbeit gibt es natürlich auch, wobei sie mehr oder (leider) weniger positiv ausfallen… Meine Beschäftigung im Kindergarten läuft mittlerweile wohl vollständig unter der Bezeichnung „Obruni (Weiße) für alles“, wobei „Alles“ die Tätigkeit als Lehrerin ausschließt (und dafür war ich ursprünglich hierher gekommen). Ich koche, spüle und bastle mich durch meine Woche und bespaße dazwischen noch das ein oder andere Kind. Das ist, um ehrlich zu sein, schon sehr ermüdend und ich muss mich morgens manchmal fast zwingen, aufzustehen und zur Arbeit zu gehen. Trotzdem liebe ich „meine“ kleinen, ungezogenen, oft versauten Kinder und merke jedes Mal, wenn ich nach längerer Abwesenheit wiederkomme, dass ich sie doch sehr vermisst habe. Auch mit den (meisten) Lehrerinnen verstehe ich mich richtig gut und freue mich, wenn ich sie auch mal außerhalb des Kindergartens antreffe.

 

Neben dem Kindergarten bin ich auch zwei Mal die Woche als ICT- (Computerunttericht) Lehrerin für die Klassen 5 und 6 an der Primary School tätig. An sich macht mir unterrichten wirklich großen Spaß und ist auch eine willkommene Abwechslung zum eher eintönigen Kindergartenalltag. Allerdings scheitert meine Motivation bisweilen fast jede Unterrichtsstunde an den Schülern bzw. an dem ghanaischen Schulsystem. Ich werde mich jetzt nicht in voller Breite darüber auslassen, sonst rege ich mich nur noch mehr auf, als ich es eh schon tue. Aber wenn es möglich ist, als 5.- oder 6. – Klässler ohne jegliche Englischkenntnisse (also weder Verstehen noch Sprechen noch Schreiben) durch eine eigentlich englischsprachige Schule zu kommen, dann kann etwas nicht stimmen. Aber wenn selbst der Englischunterricht in Twi abläuft, braucht man sich eigentlich nicht mehr den Kopf darüber zerbrechen.

Vom Thema Respekt möchte ich gar nicht erst anfangen, nur soviel: Wenn man in der Stunde mehrmals anstelle des Namens mit „Obruni“ (Weiße) angesprochen wird oder den Schülern das eigene Wasser aus der Hand reißen muss, weil sie es sonst einfach ungefragt getrunken hätten, fragt man sich schon des Öfteren, warum man sich hier eigentlich hinstellt und den Pausenclown gibt. Ich möchte auf keinen Fall sagen, dass es an deutschen Schulen nicht auch solche Schüler gibt, aber seltenst in so einer Masse.

 

Das hört sich jetzt sicherlich ziemlich frustrierend an (und ist auch) und ihr fragt euch bestimmt, warum ich mich hier unten trotz der ungezogenen Kinder, der ermüdenden Arbeit, des Wassers- und Stromausfalls so „heimelig“ fühle. Ich kann euch darauf auch keine wirkliche Antwort geben, außer vielleicht, dass der Mensch unglaublich anpassungsfähig und durchhaltevermögend sein kann. Wahrscheinlich schimpfe ich im Moment über dieses ganze System, aber im Grunde habe ich mich wahrscheinlich in das ganze Chaos hier verliebt und möchte es gar nicht mehr missen. Hauptsächlich liegt es wohl aber an den vielen tollen Menschen, die ich hier unten kennen gelernt habe und mit denen vor allem die Wochenenden, aber eben auch der normale Alltagswahnsinn lohnenswert sind.

 

So, das war es jetzt auch schon wieder meinerseits, ich hoffe wie immer, dass es euch daheim gut geht und ihr die Winterzeit genießt. 😉 Am Sonntag ist ja der erste Advent, also geht es jetzt doch steil auf Weihnachten und Silvester zu. Da ich ab dem 13. Dezember Ferien habe und wir die Zeit nutzen, um das Land ein wenig zu bereisen, werde ich von da an eine Weile nicht mehr online sein. Also wünsche ich euch lieber jetzt schon einmal Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr (es klingt doch ziemlich komisch, dass so früh schon zu schreiben)! Und während ihr vielleicht schon die ersten Plätzchen nascht, knabbere ich weiter fröhlich an meiner Wassermelone und passe auf, dass ich mir keinen Sonnenbrand hole. 🙂

 

Liebste Grüße aus dem sehr heißen, unglaublich unweihnachtlichen Ghana,

Lisa

 

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  1. Hallöchen lisa obwohl dein neuer artikel auch sehr schön zu lesen war, setzte ich hier ein paar zeilen drunter. ich habe einfach bauchkribbeln bekommen beim lesen, weil ich mich in so vielen deiner sätze wieder gefunden habe. ich bin so unglaublich gespannt wie es dir ergeht wenn du dein zweites zuhause bald verlässt und wie du deine rückkehr nach deutschland erlebst. mir ging es als volunteer in der schule oft ähnlich. was meinen aufenthalt in gambia aber sinnvoll gemacht hat, so sehe ich das mittlerweile, ist der interkulturelle austausch. dass ich letztlich gar nicht so sehr lehrerin sein konnte wie ich mir das vorgestellt habe, ist nicht so schlimm. durch den austausch habe ich meinen horizont erweitern können und mit sicherheit auch den von vielen gambianern. die ersten tage auf deutschem boden habe ich mich fremd gefühlt, obwohl deutschland meine heimat ist. immernoch habe ich oft fernweh oder heimweh, wie man es nimmt. aber wir können wieder hin fahren Jedenfalls ich wünsche dir noch eine großartige zeit dort lisa, nimm dir viel zeit beim wieder einleben im deutschen system,schau was passt und was passt nicht, ich freu mich wieder von dir zu lesen,viele liebe grüße in den busch nach ghana aus dem weissen deutschland.Senna

    • Hallo Senna,
      danke für dein Kommentar! Es freut mich, wenn du dich auch ab und zu ein bisschen wieder entdeckst, dann komme ich mir nicht ganz so allein mit allen meinen Eindrücken und Einschätzungen vor. 😉
      Dir auch noch eine schöne Zeit in Deutschland! Grüße, Lisa

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