How to stay alive… (vom Essen)

Hallo ihr Lieben,

 

heute lebe ich genau seit 5 Wochen und  zwei Tagen im ghanaischen Busch – Wahnsinn, wie schnell die Zeit doch vergeht. Dabei haben sich die 6 Monate am Anfang noch wie Jahre angefühlt… Aber hier dauert ja bekanntlich alles ein wenig länger, eben auch die Eingewöhnungsphase. Alles andere wäre in einem Land, dessen Motto „There´s no hurry in life“ lautet, auch nicht typisch und nicht zu erwarten.

Da ich mich hier wie schon erwähnt ganz gut eingelebt habe, wollte ich euch in diesem Blogeintrag die ghanaische Esskultur ein wenig näher bringen. Auch wenn ich schon im Voraus gestehen muss, dass ich das meiste der folgenden Kost mehr schlecht als recht vertrage und mich daher vor allem zu Beginn hauptsächlich von Säuglingsnahrung und Brühe ernährt habe. Aber dazu später mehr.

Der Ghanaer ernährt sich vorwiegend von 3 Dingen – Yam, Plantain und Reis in allen Variationen. Während letzteres euch bekannt sein dürfte, muss ich vielleicht kurz erklären, was Yam und Plantain sind: Yam wächst als Wurzel im Boden und ist von Konsistenz und Geschmack her vergleichbar mit einer Kartoffel. Genau so kann man sie auch zubereiten: Es gibt gekochte Yam, frittierte Yam (Pommes!), gegrillte oder geröstete Yam gestampfte Yam (zusammen mit gestampfter Plantain bekannt unter dem Namen „Fufu“)…. Plantain findet man in den deutschen Afrika-Shops unter der Bezeichnung „Kochbanane“ und auch diese kann man kochen, frittieren, grillen, rösten, stampfen, pürieren… Dazu bereitet sich der echte Ghanaer ein selbstgemachtes „Stuub“ zu – oder, wie ich es nenne, eine Soße oder Dip, je nach Konsistenz. Ins Stuub kommt hinein, was schmeckt oder eben gerade zur Hand ist. Nur eines haben alle Variationen gemeinsam – sie sind scharf (für meinen Geschmack meistens zu scharf) und fettig. Mein Lieblings – Stuub ist das „tomatoe stuub“ (oder, wie der Ghanaer sagen würde, „tomatuu stuub“), was in etwa einer dickflüssigen Tomatensoße ähnelt. Allerdings schmeckt es hundert Mal besser! Auch ein Dip namens „Pepper“ (der Name lässt vielleicht schon auf den Schärfegrad schließen), der zu frittierten Yam serviert wird, hat es mir angetan (sehr zum Leidwesen meines Magens allerdings). Genau das Gleiche isst man zum Reis – oder man brät in mit Sojasoße, Spaghetti und Gemüse an und garniert das Ganze zum Schluss mit Ketchup, Majo, Krautsalat und einem Hühnerbein (davon bin ich jetzt kein allzu großer Fan…). Zu den Plantain wie auch zu den „normalen“ Bananen isst man hier geröstete, gesalzene Erdnüsse – die Kombination aus süß und salzig ist wirklich lecker, auch wenn ich anfangs meine Zweifel hatte. Allgemein hat die Kochbanane hier von der Zubereitung her wenig mit der zu tun, die man in jedem Asia – Restaurant bekommt. Natürlich ist es am Anfang etwas ungewohnt, ein Barbecue mit gegrillten Bananen zu haben, aber wenn man wie ich auf den Geschmack kommt, wird man das jeden Tag zu Mittag essen können. Lecker sind auch die frittierten Plantains, zusammen mit Vanilleeis und Sahne gäbe das einen perfekten Nachtisch (muss ich in Deutschland unbedingt mal zubereiten!).

Das Meiste von dem zuvor genannten schmeckt also wie schon gesagt ziemlich lecker – trotzdem habe ich mich in den ersten 2 Wochen vorwiegend von Babynahrung und Gemüsebrühe aus Deutschland ernährt und bin zum Vegetarier mutiert, was allerdings nicht ganz freiwillig war. Wie bereits erwähnt, wird hier fast ausschließlich sehr scharf und fettig gekocht – eine Tatsache, auf die mein Magen nicht ganz optimal reagiert hat. Da ich also nur von Big Mama gekochtes Essen zu mir nehmen kann, wenn eine Toilette in Reichweite ist, bleibt als Alternative nur selbst Kochen. An sich gar kein Problem, allerdings war die Gasflasche leider aufgebraucht und da hier ja alles etwas länger dauert, musste ich mich mit Essen begnügen, dass mit einem Wasserkocher zubereitet werden konnte. Mittlerweile haben wir aber unser Gas und bekochen uns selbst. Dann gibt es unscharfe Nudeln mit Tomatensoße. Oder „Bratkartoffeln“ aus Yam mit Ketchup. Oder gekochten Reis mit Ei. Oder Nudeln mit Ei. Oder „Ratatouille“ aus Paprika und Tomaten und Reis oder Nudeln. Da fühlt man sich dann manchmal schon fast wieder wie daheim… Jetzt noch zu der Sache mit dem Vegetarismus: Wer mich kennt, weiß, dass ich einem leckeren Burger oder Steak nicht gerade abgeneigt bin. Mein Besuch der Fleisch- und Fischabteilung in Kumasi Market hat allerdings einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Und da ich nun jedes Mal einen von Fliegen umschwirrten, vertrockneten Ziegenkopf und die dazu gehörenden Gedärme vor Augen habe, wenn ich ein gutes Stück Fleisch sehe, habe ich mich dann doch nicht ganz so schweren Herzens dazu entschlossen, mal ein halbes Jahr lang auf Fleisch zu verzichten. Ich muss aber zugeben, dass ich schon das ein oder andere Mal nachts von guten schwäbischen Maultaschen geträumt habe oder von Rührei mit Speck…

Vielleicht noch kurz etwas zum Frühstück: Der original Ghanaer kennt kein richtiges Frühstück, er isst irgendwann im Laufe des Vormittags und das dann richtig deftig mit Reis, Stuub und Fleisch/Fisch. Da die Deutschen aber mal wieder eine Extrawurst brauchen, um voller Elan in den Tag starten zu können, haben sie sich das gute englisch Toastbrot, das es hier gibt, Marmelade, Streichkäse und Honig (und das den Umständen entsprechend nicht gerade wenig Geld) gekauft und frühstücken morgens gemütlich auf ihrer „Veranda“ (zu dem guten Toast sei allerdings noch gesagt, dass es innerhalb zweier Tage gegessen sein muss – zumindest, wenn man nicht auf Brot mit Barthaar steht). Oder holen sich Bread&Egg, ein Gemüse-Omelett zwischen zwei Toastscheiben, schön fettig angebraten natürlich. Oder wieder der gute alte Babybrei mit Obststückchen.

 

So, mehr kann ich zum Thema Essen gerade nicht anbieten. Vielleicht noch, dass wir einen relativ ordentlichen Nutella-Ersatz mit dem Namen „Choco Delight“ gefunden haben. Schmeckt zwar mehr nach Erdnüssen als nach Haselnüssen, lässt sich aber mindestens genau so gut pur abends zum Film essen… Das war´s dann jetzt aber auch wieder für dieses Mal, ich hoffe natürlich wie immer, dass es euch allen gut geht wo immer ihr euch auch gerade befindet! 🙂

 

Liebste Grüße,

Lisa

Werbeanzeigen

Eine Antwort

  1. Liebes Lisl….ich hoffe wir sehen dich noch, wenn du wieder nach Hause kommst…aber das Fett,in den Dipps gleicht es sicher bissl aus..auf jeden Fall klingt das alles spannend und vor allem machbar….ich wünsch dir noch viel Spass und deine Mum wird sicher wissen was sie dir kocht, wenn du wieder da bist…lach…
    Bei uns im Laden ist es wie immer Chaos,Blödsinn,Stress und mal mehr und mal weniger nette Kunden im erträglichen Mix….und immer den Metzger nebenan..lach…habe heute frei und werde nachher beim Friseur mein Rot aufbessern lassen und bissl die Haare stutzen….gestern morgen wars das erste Mal richtig kalt..sonst hält sich das Wetter für Oktober ganz gut…mich stört ja auch nicht die Kälte , nur die Dunkelheit,die sich so im Winter ausbreitet..sonst wäre Nordeuropa siche ne interessante Alternative, aber da ist es noch schlimmer…also bis denne Mal
    viele liebe Grüße Claudi

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s