Neues aus dem Tollhaus

Hallöchen,

 

nach einer weiteren Woche im Outback Ghanas gibt es nun endlich Erfolg in Sachen Arbeit zu vermelden – mehr oder weniger zumindest. Nachdem diese Woche an sich nicht besser begonnen hat als die Woche zuvor (rum sitzen, nichts tun, abwarten…) habe ich am Freitag dann endlich die Möglichkeit bekommen, bei den Ältesten im Kindergarten zu unterrichten – oder eher, dass ich es versuchen konnte… 😀 Aber vielleicht sollte ich zuerst erklären, wie ich diesen Teilerfolg erringen konnte: Am Donnerstag wurde mir eröffnet, dass Freitag eine Lehrerfortbildung in Kumasi stattfinden sollte, zu dem ein Großteil der Erzieherinnen gehen wollte. Nachdem letzten Freitag mit ganzen 10 Kindern ja nicht unbedingt die Hölle los war, habe ich mich also auf einen ruhigen Vormittag mit nur 10 anstatt 20 Kindern auf mir eingestellt – allerdings war dem nicht ganz so, denn wie sich heraus gestellt hat, waren die Köchin und ich die einzigen Volljährigen Besucher des Kindergartens – gemeinsam mit ungefähr 40 tobenden, sich auf das Wochenende freuenden Kindern. Eins war mir nach 10 Minuten schon klar, langweilig würde es sicher nicht werden! Wie schon erwähnt, da keine Lehrerin da war, habe ich dann die Ältesten (5 bis 7 Jahre) zugeteilt bekommen – „just try to get them busy“ waren die letzten Worte der Köchin, bevor sie mich kichernd mit den Kindern allein ließ. Da ich durch mein Trainer Dasein ja eigentlich große Kindergruppen gewöhnt bin, hatte ich schon den festen Vorsatz, die Kinder irgendwie zu beschäftigen… Nachdem sich der englische Wortschatz und das Verständnis der Kinder jedoch ausschließlich auf das Alphabet und die Zahlenreihe bis 30 beschränkt, verlief das mit dem Unterrichten auf Englisch aber dann auch relativ schnell wieder im Sand. Ich bin demnach zu dem Schluss gekommen, dass das Projekt „Unterrichten im Kindergarten“ wohl gescheitert ist – und nachdem ich Freitag ja mal kurz reinschnuppern konnte, bin ich mir nicht ganz sicher, ob ich das wirklich nur Schade finde. 😉 Allerdings darf ich Freitags jetzt auch immer Sport für die Ältesten „unterrichten“, habe ich natürlich auch gleich ausprobiert. Da aber ein erneutes Eingestehen von Scheitern nicht gut für mein Ego wäre, werde ich es wohl so ausdrücken: 40-50 Kinder aus Kindergarten und Schule jagen einer 18-jährigen Weißen hinterher, die einen Ball in der Hand hält. 😀 Im Nachhinein muss ich aber zugeben, dass das mit zu den schönsten Erfahrungen gehört, die ich bisher mit den Kindern machen konnte. Man fühlt sich wie in eine Doku über kickende afrikanische Kinder auf Arte hinein versetzt… Das ist schon ein mega Gefühl, die ganzen lachenden, schreienden Kinder um sich rum, wieder so ein Moment in dem man denkt: „Ich bin wirklich in Ghana, ich hab das tatsächlich durchgezogen…“ Soviel also erst mal zu meiner Tätigkeit als Lehrerin im Kindergarten. Ich glaube allerdings, dass ich mir noch einen zweiten Job an der Primary School suchen werde, sonst ist mein Hintern nach den 6 Monaten an einem Stuhl fest gewachsen.

Vielleicht sollte ich noch ein oder zwei Worte zu den Kindern hier sagen, sonst könnte man glaube ich denken, ich würde in einem Tollhaus arbeiten… Das Problem liegt meiner Meinung daran, dass Honeylove, Blessing oder Godfred hier seit frühester Kindheit wegen jedem Ungehorsam und Fehler geschlagen werden, sie also daran gewöhnt sind, dass man ihnen mit einem Stock sagt, was richtig oder falsch ist. Demnach wird auf fast nichts anderes mehr als „Gewalt“ gehört und da ich nicht vorhabe, mit dem Zollstock im Anschlag durch die Gegend zu rennen, muss ich mich wohl damit abfinden, dass ich als Lehrerin im Kindergarten nur schwer durchkommen werde.

Jetzt noch etwas zu Honeylove, Blessing und Godfred – diese Kinder existieren wirklich und die Namen sind absolut real! Ich war im ersten Moment auch etwas irritiert, ob ich tatsächlich richtig lesen kann (gut, bei meinem 0-8-15 Lisa bin ich so etwas Außergewöhnliches auch wirklich nicht gewohnt), aber das scheinen hier ganz normale Namen zu sein. Im Trend liegen aber auch Martha, Esther und Hans, wobei ich Jacklyn (genau so geschrieben) auch ganz nett finde… 😉 Aber über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten.

Aber gut, das war´s dann auch erst mal wieder zum Thema „Arbeiten“, falls sich in dieser Hinsicht doch noch ein weiterer Erfolg verbuchen lässt, werde ich euch das natürlich wissen lassen.

Ich hoffe, euch geht es gut im kalten Deutschland, ich werde mich jetzt mal wieder in die Sonne bequemen, um meinen Bikini-Streifen zu intensivieren. 😉

 

Liebste Grüße,

Lisa

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