Funk aus dem Busch, die zweite :)

Hallo zusammen,

 

bin immer noch ganz erschlagen von den Erlebnissen vergangene Woche. Es ist echt Wahnsinn, ich bin gerade mal eine Woche in Ghana und könnte schon ganze Bücher über die Erlebnisse hier füllen. Die neuen Eindrücke prasseln hier nur so auf einen ein, aber das hab ich glaub auch schon mal erwähnt… Um anzufangen, am Dienstag haben wir uns zusammen mit dem letzten Freiwilligen, der hier gewohnt hat und Matthias heißt, aufgemacht, um uns Kumasi und seinen berühmten Markt anzuschauen (berühmt daher, dass es wohl der größte in ganz Ghana bzw. ich glaube sogar in ganz Westafrika sein soll). Die erste Hürde, die wir an diesem Tag nehmen mussten, war die Frage nach dem Transport. Die günstigste Variante, in Ghana von A nach B zu kommen, ist wohl das Tro-Tro (zu deutsch: Linienbus). Für umgerechnet 25 Cent pro Person ist man dabei. Allerdings fahren die Tro-Tros nach Kumasi nur von Kwadaso aus (Nachbarort von Denchemouso), also musstsen wir erst einmal dorthin kommen. Man könnte jetzt natürlich ein Taxi nehmen, was allerdings umgerechnet 2,50 Euro für alle zusammen kosten würde. Da man sich allerdings schon den ghanaischen Preisen angepasst hat, erscheint das natürlich recht teuer. Billigere Alternative hierzu wäre ein „Sharing-Taxi“, wie der Name schon sagt ein Taxi, das man mit anderen Personen teilt. Auch hierfür wieder 25 Cent pro Person. Allerdings gestaltet es sich, ein „Sharing-Taxi“ für 7 Leute zu finden, recht schwer, da die meisten Taxifahrer maximal 6 Leute mitnehmen. Schlussendlich sahen wir uns also gezwungen, zur teuren Variante zu greifen und uns für 5 Cedi zur Tro-Tro Station kutschieren zu lassen. Da es hier anscheinend auch so etwas wie Mittagspausenverkehr gibt und wir natürlich gerade diese Zeit erwischt hatten, herrschte an der „Haltestelle“ (=Verkehrsinsel) dementsprechend Andrang. Da die Leute hinter uns in der Schlange, (die unsere Versuche, ein Tro-Tro mit 7 freien Plätzen zu ergattern, anscheinend recht amüsant fanden) sich freundlicherweise geradezu vor ein vorbeifahrendes Tro-Tro warfen, um ja nicht warten zu müssen, verbrachten wir insgesamt wohl eine gute halbe Stunde in brütender Hitze, bis dann doch noch ein Gefährt mit 5 deutschen (=7 ghanaischen) freien Plätzen auftauchte.

Die Fahrt in einem Tro-Tro ist ebenso wie die Fahrt in einem Taxi eine ziemlich spannende Sache. Zumindest für Menschen, die eine deutsche Fahrschule besucht haben. Ich habe wirkliche versucht, die Logik des Hupens zu verstehen, bisher bin ich allerdings noch nicht dahinter gestiegen. Auch die Straßenregeln erschließen sich mir noch nicht ganz, allerdings habe ich beschlossen, dass ich hier wohl besser nicht selbst Auto fahre (wahrscheinlich käme ich nicht einmal bis auf die Hauptstraße, weil ich davor in irgendeinem Schlagloch hängengeblieben wäre).

In Kumasi angekommen (ausgestiegen wird, wo der nächste Stau ist. Dünne Menschen sind hier klar im Vorteil, sie können sich leichter durch die Autos auf der Straße zwängen.) haben wir dann also den Markt besucht… wobei, wir haben es wohl eher versucht, denn der Markt ist zu groß, um ihn jemals an einem Tag, geschweige denn in 2 Stunden durchqueren zu können. Auch hier ergibt sich eine Logik, allerdings habe ich auch die noch nicht ganz durchschaut. Ich weiß zumindest, dass der Markt in Bereiche aufgeteilt ist, also z.B. nach Fleisch, Gemüse und Kleidung geordnet ist. Welchen Eingang man allerdings nehmen muss, um gewünschten Bereich zu finden, weiß ich (noch?) nicht.

Der Markt an sich ist, wie schon gesagt, riesig. Ich tippe mal auf über 500 Stände, die sich dicht an dicht links und rechts von den engen Gassen reihen und an denen sich tausende Menschen vorbei quetschen. Wer Berührungsängste oder Platzangst hat, sollte den Markt vielleicht nicht besuchen… Man kann sich sicher vorstellen, dass man als weißer Mensch natürlich besonders gern berührt oder angequatscht wird (eine etwas ältere Marktfrau wollte wohl schon immer mal einer Weißen einen Klaps auf den Hintergen geben). Auch die Tatsache, dass man trotz seiner Hautfarbe nicht alles kaufen möchte, was man mit den Augen gestreift hat, erklärt sich hier nicht ganz von selbst. Unser Guide Matthias hat da allerdings seine ganz eigene Strategie entwickelt: Einfach vorpreschen und nicht zurück schauen. 😉

Da es an diesem Tag allerdings mal wieder unglaublich heiß und schwül war und die Menschenmassen das natürlich nicht unbedingt besser machen, haben wir den Markt schon nach kurzer Zeit wieder verlassen. Ich werde mich kommendes Wochenende allerdings erneut ins Getümmel wagen, um vielleicht auch schon das ein oder andere Mitbringsel zu erstehen. 🙂 Soviel also erst einmal zu meinem Marktbesuch.

Ein weiteres, sehr interessantes Erlebnis hatten wir Freitag Abend: Da Carmen die in Ghana wohl bekannte 2-Rastamen-Group „Fokn Bois“ ziemlich cool findet, haben wir uns zu einem Auftritt der Rastamänner in Kumasi aufgemacht. Die beiden sollten bei dem ghanaischen Pendant zu „Das Supertalent“, hier bekannt unter „Big in Ghana“ auftreten, das laut Internet um 18.00 Uhr beginnen sollte. Im Nachhinein betrachtet sind wir eigentlich selbst Schuld, denn 6 p.m. Ghanaian Time heißt noch lang nicht 18.00 Uhr deutsche Zeit… die einzigen, die sich also pünktlichst um 18.00 Uhr auf dem Gelände des „Culture Centre“ Kumasis eingefunden hatten, waren die Leute von der Technik, der Organisation… und wir. Da ich nicht unbedingt zu den geduldigsten Menschen zähle, kann man sich glaube ich ganz gut vorstellen, wie elanvoll und enthusiastisch ich war, als die Show um 20.30 Uhr dann schließlich doch noch begann. Man darf sich das ganze schon ungefähr wie „Das Supertalent“ in den Kategorien Tanzen und Rappen vorstellen. Die Jury bildete allerdings das Publikum und der Moderator hielt sich selbst wohl für the next ghanaian 50 Cent. Auch wenn ich kein Wort verstanden habe (moderiert wurde in Landessprache Twi) muss ich zugeben, dass ich wirklich beeindruckt war, wie genial hier schon die Kleinsten tanzen können! Nach dem Tanz- und dem Rapbattle hofften wir dann endlich auf die „Fokn Bois“, denn nach mittlerweile fast 5 Stunden stehen und warten taten dann doch die Füße weh. Da das Beste allerdings bekanntermaßen ja immer zum Schluss kommt (hätten wir eigentlich auch wissen müssen), kamen wir dann erst noch in den Genuss eines „supporting acts“, der wohl internationale Melodien mit ghanaischem Gesang verbindet (hab mich zumindest dabei erwischt, wie ich „Numb“ von Linkin Park mitgesummt habe). Die Vorband (es war mittlerweile viertel vor 12, bedeutete also mittlerweile 6-stündiges Warten) wurde dank eines Stromausfalls allerdings unterbrochen und von der Bühne getrieben (an sich waren sie gar nicht so übel, aber Texte die ich nicht versteh, liegen mir irgendwie nicht). Nach einer dreiviertel Stunde ohne Strom, in der wir die „Fokn Bois“ sogar Backstage! treffen durften (genau so hab ich mir „Rastas“ immer vorgestellt!) funktionierte der Strom wieder und unser Warten wurde endlich belohnt! Ich muss zugeben, die Show der beiden war wirklich witzig und auch die Liedtexte (auf englisch!) wirklich sehr originell! 😀 (http://www.youtube.com/watch?v=CImlrbj-ZWI) Die letzte Prüfung des Tages bestand dann schlussendlich noch darin, unseren Taxifahrer erfolgreich durch die Schlaglöcher nach Denchemouso zurück zu lotsen…Meine durchgelegene Matratze kam mir noch nie paradiesischer vor.

 

So, jetzt wisst ihr also, was sich in meiner ersten Woche in Ghana so alles zugetragen, zumindest einen Teil davon. 🙂 Am Dienstag beginnt dann auch der Ernst des Lebens für mich, der Kindergarten geht los… Ich bin schon mega gespannt, freu mich aber auch riesig, endlich das machen zu können, für was ich eigentlich hier im „Busch“ hocke. 😉 Ich hoffe, euch geht’s gut in Deutschland, ich hab gehört, das Wetter soll ja nicht so atemberaubend sein…. 😛

 

Liebste Grüße und bis bald,

Lisa 🙂

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